Geschichte bis heute

Mitte des vergangenen Jahrhunderts war die große Zeit der Vereinsgründungen. Auch in unserer kleinen Gemeinde bestand seit 1865 ein Militärverein. Es ist nicht auszuschließen, dass aus diesen Reihen der Wunsch nach einer Musikkapelle aufkam, um den Auftritten bei verschiedenen Anlässen einen würdigen Rahmen zu verleihen. Nach der eidesstattlichen Aussage von Luise Hafner existierte bereits 1873 eine komplett spielende Kapelle. Es ist anzunehmen, dass sie etwa 2 Jahre vorher gegründet wurde. Nicht die Söhne der Großbauern, sondern die aus ärmeren Schichten waren die ersten Musikanten.

Die maßgebenden Gründer waren die Brüder Donat und Wilhelm Hafner und deren Cousins Johann-Georg und Sigmund Hafner. Donat Hafner war in Konstanz Regimentsmusiker. Er war musikalisch sicher der fähigste unter den jungen Musikanten. Unter seiner Leitung übten sie Tanz-, Unterhaltungs- und Marschmusik. Bereits 1873 erschienen die ersten Anzeigen in der Zeitung, in denen auf gut besetzte Tanzmusik im Gasthaus "Adler" sowie im Gasthaus "Altstadt" hingewiesen wurde.

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Aus heutiger Sicht ist zu bedauern, dass über die Aktivitäten der Kapelle damals keine Aufzeichnungen gemacht wurden. Diese Musiker hielten dies jedoch nicht für wichtig. Für sie zählte nur die Musik und die Geselligkeit.

Im Jahre 1876 suchte die Feuerwehrmusik Meßkirch einen tüchtigen Dirigenten. Schließlich wurde der Heudorfer Musiker Donat Hafner für dieses Amt verpflichtet. Aus diesem Grunde spielten die beiden Kapellen gemeinsam unter dem Namen "Feuerwehrmusik Meßkirch" bis 1885. An den musikalischen Fähigkeiten der Musikkapelle Heudorf hatten auch noch andere Gemeinden Interesse. Schon vor 1877 kamen junge Musiker zu Fuß aus Buchheim nach Heudorf um das Spielen der Instrumente zu erlernen. Dies wird belegt durch die Festschrift "100 Jahre Musikkapelle Eintracht Buchheim".

In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts traten Martin Hafner, Kaspar Geng, Ferdinand Forster und dessen Bruder in die Kapelle ein. Ein großes Ereignis für die Musiker war es, bei der Eröffnung der Bahnstrecke Tuttlingen - Sigmaringen am 26. November 1890 als Festmusiker in Hausen im Tal engagiert zu sein. Mit ihren hervorragend gespielten Weisen trugen sie wesentlich zum Gelingen des Festaktes bei.

Als Veranstalter selbst trat die Kapelle in diesen Jahren nie in Erscheinung. Sie wurden immer von Gemeinden, Gaststätten, Vereinen und Privatpersonen engagiert.

Im Jahre 1894 war die Kapelle bereits 14 Mann stark. Überall wo sie auftrat waren die Zeitungsberichte voll des Lobes. Besonders die Leistung des Dirigenten Donat Hafner wird immer wieder erwähnt. Ab dem Jahre 1896 traten die Musikkapelle Heudorf und Rohrdorf bei größeren Anlässen als Festmusik gemeinsam auf. Unter der Stabführung des damaligen Bürgermeisters und Dirigenten Donat Hafner dauerte dies bis 1913. Bei kirchlichen und weltlichen Feiern traten die Heudorfer Musikanten aber auch selbständig in Erscheinung.

Aus dem Gründungsprotokoll der Freiwilligen Feuerwehr Heudorf geht hervor, dass stets Musikanten dabei waren. Am 10. Januar 1908 wurden die Musiker Johann Bücheler und Franz Stocker zu Signalisten ernannt. Am 9. Juli 1908 wurde dieses Gruppenbild aufgenommen.

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Auf dem Gründungsbild der Feuerwehr sind folgende Musikanten zu erkennen: Engelbert Knittel (Baß), Adolf Amann (Tenorhorn), Otto Hafner (große Trommel), Johann Bücheler (Trompete), Friedrich Schreiber (Klarinette), Franz Stocker (Horn).

Weitere Mitglieder der Kapelle waren: Donat Hafner (Dirigent), Wilhelm Bücheler, Josef Degen, Konstatin Braunbarth, Hermann Hildebrand, Kaspar Geng.

In dieser kleinen Besetzung wurde of zum Tanz gespielt.

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Leider unterbrach der 1. Weltkrieg das Wirken des Vereins.

Einen weiteren großen Verlust hatte die Kapelle durch den Tod des Gründers und Dirigenten Donat Hafner, der im Alter von 63 Jahren, im Dezember 1914 verstarb.

Der Krieg hatte bittere Folgen für die Musikkapelle. Amann Adolf, Bücheler Johann, Schreiber Friedrich und Stocker Franz kehrten nicht mehr nach Hause zurück. Nach dem Krieg war es Hermann Hildebrand, der die Kapelle bis 1921 führte. Unter seiner Leitung kamen Karl Riegger, Johann Geng und Hermann Hafner als Neumusikanten hinzu.

Ab dem Jahre 1921 dirigierte Hermann Hafner, ein Sohn des ehemaligen Musikers Martin Hafner, die Musikkapelle Heudorf. Mit viel Idealismus und echter Kameradschaft wurden die schweren Nachkriegsjahre überwunden.

Bei allen kirchlichen und weltlichen Feiern der zwanziger Jahre gab die Kapelle den musikalischen Rahmen. Im Jahre 1929 verstärkte sich die Kapelle erhelblich. Unter anderem trat auch der heutige Ehrenvorstand Otto Keller ein.

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Ab 10. Januar 1931 führte die Musikkapelle ein Protokollbuch. Die erste Vorstandschaft setzte sich zusammen aus:

- Vorstand und Dirigent Hermann Hafner
- Schriftführer Karl Keller
- Rechner Wilhelm Bücheler

Im selben Jahr wurden auch eigene Uniformen angeschafft.

In den folgenden Jahren teilte sich die Kapelle mehrmals um gleichzeitig an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen zu können.

Im Jahre 1933 wurde die Kapelle Mitglied im Hegau-Blasmusikverband.

Bereits ein Jahr später bestritt sie ein Wertungsspiel in Liptingen und errang einen 1.a Preis.

Nach diesen erfolgreichen Vereinsjahren kam der 2. Weltkrieg mit all seinen schrecklichen Folgen. Die meisten Mitglieder wurden zum Militärdienst eingezogen und die Protokollbuchführung endete am 10. Februar 1940. Durch den Krieg verlor die Kapelle folgende Mitglieder, Amann Max, Boos Karl, Braunschweig Karl, Bücheler Johann, Fecht Otto, Gratwohl Anton und Schreiber Josef.

Nach dem Krieg war es Edwin Hafner, ein Sohn des Hermann Hafner, der mit den Kriegsheimkehrern und Anderen die Musiktradition aufrecht erhielt. Nach aktiver Probentätigkeit wurden bereits 1946 die ersten Auftritte verzeichnet. Leider ohne Uniform, denn diese waren 1945 von der Besatzungsmacht eingezogen worden. Bis 1950 war die Kapelle bereits wieder auf 20 Mann angewachsen.

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Im Jahre 1955 wurde wieder eine neue Uniform angeschafft. Dirigent Edwin Hafner gelang es in den fünfziger und sechsziger Jahren viele Jugendliche für die Blasmusik zu begeistern und zu guten Musikanten auszubilden. Durch gezielte Auswahl der Musikstücke hielt er die Kapelle immer auf dem neuesten Stand.

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Ab dem Jahre 1964 wurden Passivmitglieder in die Kapelle aufgenommen. Nach viel vorbereitender Arbeit konnte im Jahre 1967 das erste Waldfest an der Thalheimer Straße abgehalten werden. Durch das nun schon traditionelle Waldfest, das immer am ersten Juli Wochenende veranstaltet wird, verbessert sich die finanzielle Situation der Kapelle ganz erheblich. Dadurch war es möglich 1971 neue, trachtenähnliche Uniformen anzuschaffen.

9 Jungmusiker konnten 1972 in die Kapelle aufgenommen werden. Sie hatten ihre Ausbildung in der Knabenkapelle Meßkirch erhalten. Mit ihnen hatte die Kapelle 35 Mitglieder, das waren mehr als 10% der Einwohner.

1981 trat die Kapelle wieder in den Blasmusikverband ein. Bereits ein Jahr später am 6. Juni 1982 nahm sie am Marschmusikwettbewerb in Hettingen teil und erspielte einen 1. Rang.

Im Jahre 1982 begann unser von Vize-Dirigent Siegbert Jäger mit der Ausbildung von 9 Zöglingen. Ihr Interesse an der Blasmusik bewiesen sie mit beachtlichen Leistungen am Jugendtreff 1984 in Heudorf und 1985 beim Jugendkritikspiel in Scheer. Hier erhielt ein Klarinetten-Duo die Note gut-befriedigend. Ein Bläserquartett erhielt die Note gut.

Seit dem Jahre 1980 wurde die Forschung über das Alter der Musikkapelle vorangetrieben. Im Jahre 1984 war es dann soweit, dass ein lückenloser Nachweis über das Bestehen der Musikkapelle Heudorf bis 1871 vorhanden war.

Die PRO MUSICA-Plakette wurde im Juni 1984 beantragt und bereits im November wurde dem Antrag positiv entsprochen. Die Offizielle Verleihung der Plakette fand im Jahre 1985 in Erlangen statt, wo die Plakette symbolisch durch den Bundespräsidenten an den Vorsitzenden der Kapelle überreicht wurde. Die tatsächliche Übergabe der PRO MUSICA-Plakette fand im Rahmen des im Jahr 1985 veranstalteten großen Bezirksmusikfest durch den Innenminister des Landes Baden-Württemberg statt. Bei diesem Fest wurde auch die neu angeschaffte Vereinsfahne feierlich geweiht.

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Ein weiterer denkwürdiger Tag des Jahren 1985 war der 9. April. An diesem Tag wurde in einer außerordentlichen Generalversammlung eine Vereinssatzung verabschiedet. Die Vereinssatzung war und ist die Grundlage für die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister sowie die Beantragung der Gemeinnützigkeit. Die Satzung wurde an diesem Tag mit großer Mehrheit verabschiedet.

Während der Generalversammlung am 22.02.1986 legte Dirigent Edwin Hafner nach einer Amtszeit von 40 Jahren den Taktstock nieder. Als Nachfolger konnte ein Musiker aus den eigenen Reihen für dieses sicher nicht immer einfache Amt gefunden werden. So übernahm der bisherige Vizedirigent Siegbert Jäger nun den Taktstock um die Kapelle zu neuen Höhepunkten zu führen. Der bisherige Dirigent Edwin Hafner blieb aber auch noch weiterhin der Kapelle treu als aktiver Baritonist und Vertreter des Dirigenten. Erst im Jahre 1996 schied Edwin Hafner nach einer aktiven Zeit von 50 Jahren auf eigenen Wunsch aus der Kapelle aus. Er wird allerdings als Ehrendirigent der Kapelle auch weiterhin Treue halten.

Im Jahre 1991 gab es einen Wechsel in der Vorstandschaft, der hier zu erwähnen ist. Nach einer Amtszeit von genau 10 Jahren stellte sich unser bisheriger 1. Vorsitzender Alfred Jäger nicht mehr zur Wahl. Als Nachfolger konnte der bis zu diesem Zeitpunkt als 2. Vorsitzender fungierende Kamerad Markus Beha gewonnen werden.

Im Jahre 1992 war die Musikkapelle durch Zuschüsse und Spenden sowie Dank einer gut geführten Vereinskasse in der Lage neue Uniformen zu beschaffen. Die Uniformen wurden anläßlich des am 29. November 1992 veranstaltete Adventswunschkonzert der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Mit hervorragenden Sommerfesten und Konzerten sowie auch Auftritten bei kirchlichen und weltlichen Anlässen konnte die Kapelle das kulturelle Angebot in der Gemeinde wesentlich bereichern.

Seit dem Jahre 1988 findet das traditionelle, seit 1967 an der Thalheimer Straße stattfindende Waldfest unter neuer Bezeichnung ("Sommerfest am Talbach") auf dem befestigten Platz vor der ehemaligen Schule statt.

Als musikalische Höhepunkte in den Jahren 1985 - 1996 sind wohl die von der Kapelle veranstalteten Adventswunschkonzerte zu nennen, die einen so großen Anklang bei der Bevölkerung fanden, dass die Kapelle im Jahr 1995 aus Platzgründen einen Veranstaltungraum in der Nachbargemeinde Thalheim anmieten musste. Weitere Höhepunkte waren ein Platzkonzert auf dem Rathausplatz in der Bundeshauptstadt Bonn sowie auch die Teilnahme an Marschmusikwettbewerben 1990 in Ostrach und 1996 in Herbertingen bei denen sehr gute Ergebnisse erzielt wurden. Auch die Teilnahme an einem Wertungsspiel im Mai 1993 in Inneringen sei heir genannt. Auch hier erzielte die Musikkapelle Heudorf eine sehr gute Platzierung.

Durch die in den Jahren 1985 bis 1996 kontinuierlich fortgeführte Jugendarbeit im Verein war es möglich die Zahl der aktiven Musikerinnen und Musiker beachtlich zu steigern. Fast alle in den letzten 11 Jahren ausgebildeten und übernommenen Jungmusiker wurden von aktiven Kameraden aus den eigenen Reihen ausgebildet. Den guten Ausbildungsstand unserer jugendlichen Musiker spiegelte sich immer wieder in den hervorragenden Ergebnissen, die bei der Teilnahme an Jugendkritikspielen erzielt werden.

Anfang des Jahres 1996 wurden mit viel Einsatz der Musikerinnen und Musiker damit begonnen, in der ehemaligen Schule ein neues Probelokal ein- bzw. herzurichten. Dieses Probelokal wurde währen der Jubiläumsfeierlichkeiten eingeweiht und der Öffentlichkeit vorgestellt.